d Brich den Hungernden dein Brot - Bach Kantate BWV 39

9. Kantatengottesdiens, Samstag, 06.06.2020, 11:00 Uhr

Chorgemeinschaft St. Bartholomäus
Sopran Solo, Alt Solo, Bass Solo
Kammerorchester St. Bartholomäus
Lesung: Ilse Blomberg
Ansprache: Dr. Ludger Kaulig
Leitung: Andreas Blechmann
 

Jacoub Eisa, Bass

 

Diese zweiteilige Kantate mit ihrem 218 Takte langen Eingangschor gilt zu den besonders anspruchsvollen Kantaten gehört, braucht wohl nicht eigens betont zu werden.

Heute auch als "Flüchtlingskantate" bekannt knüpft der Text, wie so oft bei den Kantaten Bachs, an den Text des Sonntagsevangeliums an, in dem das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus zu hören ist. Der Reiche, der zu seinen Lebzeiten dem Armen noch nicht mal die Essenreste zukommen ließ, dann aber nach seinem Tode in die Unterwelt kommt und dort starke Schmerzen leiden muss. In seiner Not bittet er Vater Abraham, er möge Lazarus schicken, damit er ihm etwas Wasser bringe. Doch diese Hilfe wird ihm verwehrt.

Die Kantate selbst besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil wurde vor der Predigt aufgeführt, der zweite Teil danach. Beide Teile beginnen mit einem Bibelspruch, im ersten ist es ein Zitat aus dem 58. Kapitel des Propheten Jesaja. Da heißt es: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: An die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die Obdachlosen ins Haus aufzunehmen; wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.“

Diese Einleitungssinfonie mit ihrer pausendurchsetzten Folge von Akkordblöcken der einzelnen Instrumentengruppen malt unverkennbar die Geste des Brotbrechens. An dieses alttestamentliche Wort schließt sich die Mahnung zur Nächstenliebe an.

Auch der zweite Teil wird durch ein Bibelwort eingeleitet, nämlich ein Zitat aus dem Hebräerbrief. Da heißt es: „Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen; denn an solchen Opfern hat Gott gefallen.“ Hat der erste Satz in seiner Vollstimmigkeit gleichsam die Allgemeingültigkeit des Barmherzigkeitsgebotes vor Augen geführt, so glaubt man jetzt Christus selbst voller Eindringlichkeit reden zu hören.

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